Mac's kleines Lexikon

von S wie Schwippschwager bis D wie Der Frühling

Der Numerus Clausus

   

oder...

Von der Problematik, als intellektuell bedürftiger Karrierist zu akademischen Ehren zu kommen

Student zu werden ist nicht schwer, Student zu sein dagegen sehr... HALT! Diese Binsenweisheit potentieller Akademiker wurde vor einiger Zeit durch eine verfassungswidrige Einschränkung der Berufsfreiheit obsolet. Während der zweite Teil der Redewendung natürlich nach wie vor volle Gültigkeit hat – Millionen Leidensgenossen werden das gerne bestätigen – trifft das für den ersten leider nur noch in Ansätzen zu. Um ein Studium nach Wahl beginnen zu können, muss meist ein gewaltiges Hindernis überwunden werden. Diese Hürde ist ein menschenunwürdiges Edikt namens NC – Nicht Classifiziert. Es besagt, dass nur Schüler mit Prädikatsabitur zu den anspruchsvollen Studiengängen zugelassen werden.

Wie ungerecht eine derartig willkürliche Auslese ist, möchte ich anhand eines autobiographischen Beispiels illustrieren: 

Mein Abitur habe ich nur bestanden, weil ich meine Schwester Tina während der großen Pausen regelmäßig leicht bekleidet ins Lehrerzimmer beordert und die begeisterten Oberstudienräte anschließend vor die Wahl „Abi oder Polaroid” gestellt habe. Da die Leistungsfähigkeit kleiner Schwestern jedoch limitiert ist, wurde durch diese Maßnahme lediglich die Mindestpunktzahl zum Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife gewährleistet – für einen Studiengang mit Niveau leider zu wenig. Somit war der weitere Lebensweg eigentlich schon vorprogrammiert: Sozialpädagogik > Pommesbude > Strick.

Zum Glück existiert jedoch kaum eine Regel ohne Ausnahme, so auch hier. Sofern die erreichte Abinote bei der ZVS nur ein bedauerndes Kopfschütteln auslöst, gibt es nämlich noch die Wartezeiten. Für eine Vielzahl von Tatbeständen werden nach einem komplizierten Schlüssel Boni auf die Zensur angerechnet. Zu nennen sind hier vor allem Ausbildung, Zivil- bzw. Wehrdienst, Kindererziehung, Justizvollzug, Ohnmacht, Tod, Wattwanderung, Pflege von Verwandten des 1. bis 16. Grades, Übelkeit und Legasthenie.

Wenn also z.B. ein straffällig gewordener Zivildienstleistender während seines Urlaubs an der Nordsee beim Erlernen des Alphabets ertrinkt, erwirbt er mit sofortiger Wirkung den unwiderruflichen Anspruch auf einen Studienplatz in Meeresbiologie und Kriminologie, sofern seine Abinote nicht unter der durchschnittlichen Examensnote aller Theologen des Jahrgangs 1953 an der Kieler Uni gelegen hat.

Zusätzlich wird die gesamte Zeit seit Schulabschluss als Wartezeit gewertet, was zu der bekannten Renterschwemme an den deutschen Unis geführt hat. Das betrifft auch mich, der ich kurz nach dem 2. Weltkrieg mein Abitur mit 5,8 bestanden habe und nun endlich afrikanische Philologie studieren kann. Mein Berufsziel ist somit klar definiert: Bundeskanzler. Im Ernst, wenn Physiker und Fliesenleger Bundesminister werden können, dürfte das Kanzleramt kaum eine nennenswerte Herausforderung für einen mittelalterlichen Philologie-Studenten mit überdurchschnittlicher Ausdauer darstellen.

Leider scheinen jedoch viele Professoren zu ahnen, dass ihre Schützlinge auf derart zweifelhaften Pfaden zu akademischen Ehren kommen möchten, und versuchen daher, diese Entwicklung mit allen verfügbaren Mitteln zu verhindern. Zumindest lassen die Durchfallquoten in einzelnen Studiengängen an der Kölner Uni vermuten, dass man beschlossen hat, einzelnen Lehrstühlen bei besonderen Verdiensten (Quote > 50%) den ehrenvollen Titel „Exmatrikulationsamt” zu verleihen.

Der Versuch, auf unehrlichen Wegen zum Studienabschluss zu kommen, ist also von vornherein zum Scheitern verurteilt. Unsere Professoren merken alles und zögern nicht, ihre pädagogische Allmacht zum Wohle der akademischen Reputation unserer Nation kompromisslos einzusetzen. Damit ist sichergestellt, dass wirklich nur die geistige Elite hochherrschaftliche Titel, wie „Dipl.” o.ä. ihr eigen nennen darf. Allen anderen sei dringend angeraten, den demütigenden Weg zur Fachhochschule anzutreten...